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Ein Abend an der Donau

Man merkt erst, wie leise eine Stadt werden kann, wenn man sich an ihr Wasser setzt.

Die Donau am Abend ist kein Ort, der etwas verlangt. Sie wartet nicht darauf, entdeckt zu werden, sie drängt sich nicht auf. Sie ist einfach da, ruhig und breit, als hätte sie mehr Zeit als alles andere in dieser Stadt. Während hinter einem noch die Geräusche Wiens nachklingen, beginnt sich hier etwas zu lösen, fast unmerklich, wie ein Atem, der tiefer wird.

AM RAND DES WASSERS

Es gibt Momente, in denen man nicht weiß, ob man angekommen ist oder nur kurz stehen bleibt. Vielleicht ist es dieses Licht, das sich langsam verändert, wenn der Tag sich zurückzieht. Vielleicht ist es das gleichmäßige Fließen, das keine Richtung vorgibt, sondern nur Bewegung zeigt.

Man sitzt oder lehnt irgendwo am Ufer, ohne wirklich einen Platz gewählt zu haben. Nebenan reden Menschen, irgendwo lacht jemand, ein Fahrrad rollt vorbei. Und doch scheint all das weiter entfernt zu sein, als es tatsächlich ist.

Ein einzelner Baum in der Stadt, still zwischen Bewegung

Der Blick bleibt nicht lange an einem Punkt. Er wandert über die Oberfläche, folgt den kleinen Wellen, die das Licht in Stücke schneiden. Es ist kein Spektakel, nichts, das man festhalten müsste. Und vielleicht liegt genau darin seine Ruhe.

LICHT, DAS SICH VERLIERT

Mit der Zeit beginnt sich die Stadt im Wasser zu spiegeln, aber nicht klar, nicht präzise. Die Lichter zerfallen, werden zu Linien, zu flimmernden Fragmenten, die sich ständig verändern. Es ist, als würde die Donau alles, was zu fest erscheint, weichzeichnen.

Manchmal kommt ein Wind auf, kaum spürbar, gerade genug, um die Oberfläche zu verschieben. Für einen Moment verschwinden die Spiegelungen, dann tauchen sie wieder auf, leicht verändert, als hätte sich etwas neu sortiert.

ZWISCHEN KOMMEN UND GEHEN

Menschen bleiben nicht lange. Sie kommen, setzen sich, stehen wieder auf. Manche schauen auf ihr Handy, andere einfach ins Wasser. Es gibt keine gemeinsame Geschichte, nur diese lose Verbindung, dass alle für einen Augenblick denselben Ort teilen.

Und vielleicht ist genau das das Besondere daran. Dass nichts bleiben muss. Dass man Teil dieses leisen Stroms wird, ohne sich festzuhalten.

Wenn man schließlich aufsteht und zurück in die Stadt geht, nimmt man nichts Sichtbares mit. Kein Bild, das alles erklärt, keinen klaren Moment.

Nur dieses Gefühl, dass etwas langsamer geworden ist.

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